Sarah Gorf-Roloff hat sich 2017 mit ihrem Studio Ranokel selbstständig gemacht und bietet ihren
Kunden dort auf charmante Weise Lösungen mit Illustration, Konzept und Storytelling an.
Vielseitig interessiert und versiert, hat sie bereits vor dem Illustrationsstudium an der HAW
unter anderem Erfahrungen als Filmemacher und als Buchbinderin gesammelt.
Erste Aufträge
als
Selbstständige ebneten neben dem Studium den Weg zu ihrem eigenen Studio. Bereits während des
Masterstudiums hatte sie zudem Lehraufträge an der HAW.
Man hat halt ganz viele Leute kennengelernt. Mit denen kann man dann über die Dinge sprechen, weil die vielleicht schon ein bisschen weiter sind als man selber. Ich glaube schon, dass wenn man die Infos haben möchte, man da mehr abgreifen kann, als es allgemein von Kunsthochschulen behauptet wird. Ich bin sehr zufrieden mit dem Studium, so wie es war. Das war eine sehr gute und sehr bereichernde Zeit für mich.
Ich vermisse, dass man automatisch viel Kontakt mit Anderen hat. Als selbständige Illustratorin hat man zwar sein Netzwerk, aber man muss schon gezielt rausgehen und Leute anmorsen. Im Studium fand ich es einfach sehr schön, dass man eine Gemeinschaft mit den Kommilitonen gebildet hat, die sich automatisch ergeben hat.
Den Illustratoren kann ich tatsächlich raten, am Kommunizieren zu arbeiten. Viele sind da ein bisschen introvertiert und müssen, glaube ich, erstmal über den eigenen Schatten springen, um dann auch wirklich in eine Kommunikation und auch ein Selbstmarketing reinzugehen. Das ist ganz wichtig. Ich glaube, ich würde die schüchternen Personen ermutigen, da mal über den Schatten zu springen und es einfach mal auszuprobieren. Und für sich selbst Marketing zu machen, heißt ja nicht, dass man sich laut rasselnd auf die Bühne stellt und sagt: Ich bin so geil. Bucht mich alle.
Sondern, dass man mit offenem Herzen versucht, einen Weg für sich zu finden, der sich gut anfühlt, denn das geht ja auch. Viele schrecken davor dann zurück, weil sie das Gefühl haben, sie können nicht die Lauten sein, die mit den Ketten rasseln. Aber es gibt da auch noch andere Wege, und da würde ich alle ermutigen, diese neugierig zu erforschen.
Ich glaube, das Allerwichtigste ist letztendlich Kommunikationsfähigkeit. Klar muss ich illustrieren und zeichnen können und auch die Programme gut beherrschen, derer ich mich da bediene. Aber bestimmt fünfzig Prozent der Arbeit sind halt nicht illustrieren und vor mich hin bröckeln, sondern mit Kunden kommunizieren.
Letztens habe ich mal meinen Lebenslauf aufgeschrieben und festgestellt, dass es über 30 Nebenjobs waren, die ich im Laufe des Studiums gemacht habe.
Ich habe auch verschiedene Jobs an der HAW gehabt. Zum Beispiel die Betreuung der Homepage, als Andreas Baumgart das noch gemacht hat. Da hab ich ganz viel gemacht. Und ich habe auch Workshops gegeben für Buchbinden an der HAW.
Da fängt man an, zu studieren, und dann kennt man irgendwelche Leute, die mal einen Flyer brauchen. So hat es angefangen, dass ich da wirklich als Nebentätigkeit ganz selten mal hier und da einen Auftrag hatte. Das hat dann im Laufe des Studiums ein bisschen zugenommen. Ich konnte mir nie vorstellen, wie das funktionieren soll, dass ich irgendwann davon leben soll.
59,5 % unserer Alumni können heute ausschließlich von einer kreativen Tätigkeit leben.
Durch diese Fügung, dass ich gleichzeitig die Kolumne und den Lehrauftrag bekommen habe, und so die Schnauze voll von all meinen Nebenjobs hatte, habe ich gesagt: Ich springe jetzt ins kalte Wasser. Ich weiß, die ersten Monate wird es hinhauen. Ich versuche das jetzt. Damit ich einfach mal den Kopf frei habe, mich wirklich darauf zu konzentrieren.
Ich hatte irgendwann selber das Gefühl, das passt jetzt nicht mehr so richtig und ich will jetzt nicht für irgendwelche Frauenzeitschriften niedliche Sachen malen. Das ist auch total okay, aber es ist nicht meins.
Dann habe ich mal geguckt, habe mich hingesetzt und habe mir ganz viele verschiedene Anbieter angeguckt, die sowas machen, wie es mir vorschwebte. Also von Agenturen für Infografik, über Leute mit Storytelling und habe mir einfach mal die Worte angeguckt. Wie formulieren die das denn, damit es verständlich ist. Lustigerweise ist mir dabei dann erst aufgefallen, dass mein Alleinstellungsmerkmal gar nicht ist, dass ich komplexe Sachen verständlich mache, das machen nämlich total viele, sondern die Art, wie ich es mache.
Diese Art habe ich dann „charmant“ genannt, aber halt mit dieser etwas bunten, positiven, vielleicht ein bisschen schrulligen Bildsprache, Denkart und Erzählweise. Aber die Entwicklung war in dem Moment, wo ich 2017 gesagt habe: „Jetzt bin ich Studio Ranokel und mache komplexe Inhalte“, noch nicht abgeschlossen. Sondern das wächst ja immer weiter.
Die Komplexität von Aufträgen, zumindest aus meiner Sicht, das ist das, was inhaltlich so spannend ist. Das wächst natürlich. Je mehr man gemacht hat, desto mehr Leute kommen dann auf einen zu, die einen genau dafür buchen. Je größere Projekte man gemacht hat, desto größere Projekte werden einem in der Folge auch zugetraut.
Das sind verschiedene Sachen. Ich hab gerade ein fortlaufendes Projekt. Eine Reihe von kurzen Animationsfilmen über die Schönheit der Mathematik. Außerdem ein Musikfestival hier auf Wilhelmsburg, für das ich das ganze Branding mache. Die haben ein illustriertes Branding. Ein Erklärvideo für eine Fachtagung für die Dreilinden Stiftung. Und dann sitze ich noch an einem illustrativen Branding für Polymere. Die machen Plastikrecycling oder Upcycling.
Im Kern bin ich Illustratorin. Das heißt ganz klassisch „einfach“ etwas illustrieren. Ich habe mich aber darauf spezialisiert, das ein bisschen breiter zu fassen. Also ich habe gesagt, ich mache „komplexe Inhalte, charmant kommuniziert“. Da steckt ja schon drin, dass ich nicht „nur“ etwas Dekoratives mache. Sondern, dass ich letztendlich Kunden im weitesten Sinne dabei helfe, ihre Inhalte zu vermitteln.
Das heißt, ich mache nicht nur klassisch Illustration und zeichne. Sondern ich steige schon viel früher ein und kläre mit den Kunden: Was wollen sie überhaupt kommunizieren? Was wollen sie rüberbringen? Wie kann man das verpacken? Also Storytelling oder Konzeptarbeit. Genau das ist auch der Hauptfokus. Wobei natürlich die Konzepte, die ich anbiete, immer Illustration beinhalten. Aber ich mache Illustration, Storytelling und Animation.
Das Miteinander unter Illustratoren empfinde ich eher als sehr kollegial. Weitergedacht empfinde ich Konkurrenz weniger auf andere Illustratoren bezogen, sondern vor allem darin, dass Leute gar keine Illustrationen nutzen.
Die ersten Aufträge bekommt man von Leuten, die man aus anderen Kontexten kennt und die sich freuen, dass da jemand ihre Grafik macht.
Meine Eltern hätten es, glaube ich, nicht so gut gefunden. Bevor ich meine erste Ausbildung gemacht habe, hatte ich einen Platz für Modedesign beim Lette Verein in Berlin bekommen und einen Platz in der Fachschule für Sozialpädagogik in Hamburg. Ich habe mich dann für die Erzieher:innenfachschule entschieden, weil ich gedacht habe: Na ja, das Andere, wer weiß, was dann aus dir wird? Jetzt würde ich es vielleicht anders machen.
Als Kind und Jugendliche war für mich immer klar, dass ich Filmregie machen will. Ich will Filmregisseurin werden. Nach dem Abitur kam dann die Erkenntnis, ich habe aber gar keinen Bock auf die Filmbranche. Am Filmemachen hat mich immer das Geschichtenerzählen interessiert, aber Filme machen ist so wahnsinnig aufwendig. Man braucht wahnsinnig viel Geld und wahnsinnig viele Leute. Mit den Illustrationen konnte ich dann plötzlich Geschichten erzählen und alles umsetzen. Egal, ob einfach nur zwei Leute an einem Tisch sitzen oder ich eine Szene mit tausend Leuten und einem Hubschrauber haben will. Das kann ich direkt alles selber machen. Und das ist total befriedigend.
Ich kann den Studenten empfehlen, letztendlich wirklich dem zu folgen, was einem Spaß macht und was einen erfüllt. Was immer wieder ein großes Problem ist, ist dass man das Gefühl hat, dass das, was einem leicht fällt, ja nichts wert ist. Das ist mir im Studium auch manchmal passiert, dass ich was gut gemacht habe und alle das toll fanden. Ich dachte aber, das ist ja nichts, das ist mir ja nicht schwergefallen. Und dann habe ich mich wahnsinnig abgemüht an Dingen, wo ich dachte, die muss ich ja können, wenn ich eine gute Illustratorin sein will. Was totaler Blödsinn war, weil die mir überhaupt nicht entsprochen haben.